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Von Lehrern, Erziehung und Unterricht im Jahre 1868
Auch in Amelsbüren wurde von Lehrern oder Lehrerinnen nach dem Lehrbuch der Erziehung und des Unterrichtes von A. K. Ohler vorgegangen. Aus den folgenden Zitaten kann der Leser einen Einblick in die damaligen Schulverhältnisse gewinnen:

Die Eigenschaften eines Lehrers

1. Der Lehrer muß einen gesunden und festen Körper haben.

2. Insbesondere sind dem Volksschullehrer eine gesunde Brust, ein gutes Sprachorgan und gesunde Sinne höchst nothwendig.

3. Auch darf der Lehrer keine körperlichen Gebrechen an sich haben, welche ihn vor den Kindern lächerlich und zum Gespötte machen.


Volksschule Amlesbüren1893

Für den Jüngling, der sich dem Lehrerberufe widmen will oder bereits gewidmet hat, ist es darum heilige Pflicht, Alles, was der Gesundheit nachtheilig sein oder seine Körperkräfte und Sinne abschwächen könnte, auf das Sorgfältigste zu meiden, dagegen für Das, was zur Erhaltung und Stärkung derselben nothwendig ist, stets gewissenhaft besorgt zu sein.

Wer diese väterliche Mahnung überhört, wer durch Unvorsichtigkeit, Uebereilung und Leichtsinn oder gar durch schlimme Gewohnheiten und Leidenschaften, besonders durch übermäßigen Genuß geistiger Getränke, zu frühzeitiges Tabakrauchen, Nachtschwärmereien, durch Sinnlichkeit und schamlose Weichlichkeit in der Blüthe der Jugend seine Gesundheit erschüttert, seine Körperkräfte und Sinne abschwächt, wird es später zu bereuen haben, leider vielleicht erst dann, wenn es zu spät ist. Welch' ein quälender Vorwurf, Schuld daran zu sein, daß man in seinem Berufe entweder gar nichts, oder nur Ungenügendes leisten kann, daß man kränkelt, nicht mehr zurecht kommt und einem frühzeitigem Tode entgegen geht.

Falsche Erziehungstheorien

1. Die gewaltthätige Erziehung nach dem Grundsatz:
Die Zwangsmittel sind die besten, weil sie am ersten und leichtesten zum Ziele führen.

2. Die verzärtelnde Erziehung nach dem Grundsatz:
Nur solche Mittel sind gut, welche mit den Wünschen und Meinungen des Kindes übereinstimmen

3. Die falsche ascetische Erziehung mit dem Grundsatz: Das einzige Mittel ist die Gewöhnung an eine außerordentliche Frömmigkeit und Entsagung ohne alle Rücksicht auf die Anlagen, das Alter und den künftigen Beruf.

4. Die technische Erziehung mit dem Grundsatz:
Das Hauptmittel ist, daß man den Zögling nie und in Nichts sich selbst überläßt, sondern ununterbrochen an ihm regelt und richtet.

Das Geschlecht

Als Kinder entwickeln sich die Mädchen etwas früher, als die Knaben, vorzüglich weil die ungezügelte Zerstreuung bei jenen nicht stattfindet wie bei diesen, weil sie also ruhiger beobachten; dann auch, weil die Gefühle, also die frühesten Seelenthätigkeiten ihnen eigenthümlicher sind als den Knaben.

Überhaupt herrscht bei dem weiblichen Geschlechte mehr das Gefühl, bei dem männlichen mehr das Denkvermögen vor, und wo das letztere bei dem Weibe thätig ist, richtet es sich gewöhnlich auf das Kleinere und Nahe.

Daraus erklärt sich bei dem weiblichen Geschlechte auch die Bestimmung des Willens nach bloß subjektiven Triebfedern, der Eitelkeit und Gefallsucht, während dies Alles bei dem Manne ein Gegengewicht findet in der Geneigtheit zum Denken und zum Eingreifen in die Außenwelt.

Deßwegen wird der umsichtige Erzieher von Knaben und Mädchen nicht das Gleiche verlangen. Von der vorherr- schend empfänglichen, der Unmittelbarkeit des Gefühles hingegebenen, mehr um das Kleine bekümmerten Natur des Mädchens verlange der Lehrer nicht die derbe Frische, das laute Heraustreten aus sich selbst, die streng verstandesmäßige Auffassung, welche den Knaben auszeichnen. Im Allgemeinen muß für die erziehliche Behandlung festgehalten werden, daß bei dem Knaben die Selbstthätigkeit gekräftigt werde, damit er der Außenwelt dereinst Widerstand leiste, während bei den Mädchen die Sorge dahin gehen soll, seine Seele vor schlechten Eindrücken zu bewahren, da diese immer im weiblichen Geschlechte tiefer haften und schwerer auszutilgen sind.

Es macht sich in neuerer Zeit die Ansicht immer mehr geltend, es sei zweckmäßiger, die Leitung der Mädchen- schulen Lehrerinnen, insbesondere Ordensfrauen, anzu- vertrauen, weil diese eher geeigenschaftet sind, den weiblichen Charakter der Mädchen rein zu erhalten, ihnen die entsprechende Behandlung angedeihen zu lassen und sie überhaupt zu ihrem künftigen Berufe als Hausfrauen specieller vorzubilden.

Unzüchtige Kinder

Um jede Art der Unzucht sorgfältig zu verhüten, müssen die Gefahren und Anlässe dazu nach Kräften beseitigt werden. Dergleichen sind:

a) Von Seiten des Körpers:
Verzärtelung und Verweichlichung, zu nahrhafte, stark gewürzte, das Blut in Wallung bringende Speisen und geistige Getränke, zu langes Schlafen in warmen Federbetten und mancherlei Unanständigkeiten und Frechheiten, welche wir nicht näher beschreiben wollen.

b) Von Seiten des Geistes:
Verunreinigung der jugendlichen Einbildungskraft durch äußere oder innerliche Veranlassung

c) Von der Seite der Umgebung und des Umganges: Schlechte Reden und Beispiele oder absichtliche Verführung usw.

Weil dieses Laster besonders lichtscheu ist und sich in Finsternis und Schlupfwinkel zurückzieht, wird es sehr schwer und meistens erst spät entdeckt.
Gewöhnliche Kennzeichen sind:
1. Ein blasses, bleifarbenes Gesicht mit tiefliegenden Augen, frühes Altern, vorzeitige Erschöpfung des Körpers,
2. plötzliche Abnahme der früheren Munterkeit, Menschenscheue,
3. auffallende Zerstreuung, Gedächtnisschwäche, fortdauernde Unaufgelegtheit zu ernsten Beschäftigungen, ein starres Hinbrüten usw.

Am schwersten ist die Heilung dieses Uebels. Körperliche Strafen sind größtentheils nicht am Orte. Sie können höchstens versucht werden, wenn alle Besserungsmittel fehlgeschlagen sind.

Gar nicht genug warnen können wir die jungen Lehrer, vielleicht dieses große Uebel selbst zu veranlassen, während sie es aus guter Absicht verhüten wollen. Diese Unvorsichtigkeit kann man begehen, wenn man im Voraus, ohne hinreichenden Grund, von allen Kindern etwas Schlechtes vermuthet, während doch die Nächstenliebe gebietet, jedes so lange für sittlich rein zu halten, als man nicht vom Gegentheile überzeugt ist, und auch die Erfahrung bestätigt, daß es, Gott sei Dank, immer noch recht viele unschuldige Kinder und unschuldige junge Leute gibt. Deswegen soll man nicht beständig auf Entdeckung solcher Gebrechen ausgehen wollen, da aber, wo sie sich gleichsam selbst entdecken, in der Untersuchung mit größter Vorsichtsicht und Klugheit verfahren.

Ist es schon eine recht beklagenswerte Sache, wenn ein Lehrer ohne Absicht, nur aus Unklugheit den Kindern Ärgerniß geben würde, wie erst, wenn dies, was Gott verhüten möge, mit Absicht geschähe! Ein furchtbares Wehe ruft über einen solchen Verführer der Heiland selbst, und auch der Arm der weltlichen Gerechtikeit gelegt ihn mit den schwersten Strafen!