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Evangelische Kreuz Christi Kirche
Zur 1802 gegründeten Evangelischen Kirchengemeinde Münster gehörte etwa eineinhalb Jahrhunderte lang ein Diasporagebiet, das sich rings um die Stadt erstreckte. Es war bis weit in das 20. Jahrhundert hinein nur von verhältnismäßig wenigen Evangelischen bewohnt. Sie hatten ihren kirchlichen Mittelpunkt in der Apostelkirche in Münster. Als zu Anfang dieses Jahrhunderts in Hiltrup Industriearbeiter zuzogen, befanden sich unter ihnen auch Evangelische.

Schon 1914 hielt ein Pastor aus Münster in einem Raum der Volksschule Hiltrup zunächst Bibelstunden, später auch Gottesdienste. Zu diesen kirchlichen Veranstaltungen hielten sich fortan auch die Evangelischen aus Amelsbüren. Ihre Zahl war gering. Es ist nicht mehr festzustellen, wann die ersten

Kreuz-Christi-Kirche

Gemeindeglieder sich in Amelsbüren niederließen. Doch weisen die Kirchenbücher in Münster nach, daß zwischen 1850 und 1860 der Gutsbesitzer Hermann Friedrich von Renesse auf Haus Kannen wohnte und in Münster seine Kinder taufen ließ. Er starb 1871, damals allerdings schon in der Stadt Münster ansässig. Im Raum der Kirchengemeinde Münster war er als Kirchenmeister tätig.

Die Hiltruper Zweiggemeinde hatte sich schon 1911 für den Bau einer Kapelle in Hiltrup eingesetzt. Dieser Plan wurde 1925 konkreter, als sich die "Evangelische Vereinigung Hiltrup" bildete. Sie hatte sich die Aufgabe gegeben, den Zusammenhalt der Gemeindeglieder untereinander und die Kirchbaupläne zu fördern. Tatsächlich gelang 1932 der Kapellenbau verbunden mit einem Vereinssaal für die kirchlichen Vereine. Da 1929 ein eigener Pastor in Hiltrup Wohnung bezogen hatte, konnte für die etwa 300 Gemeindeglieder im Raum Hiltrup und Amelsbüren seit Ende 1932 in zwei wöchigem Abstand Gottesdienst gefeiert werden. 1940 erwuchs daraus eine Pfarrstelle, zu der bis zum Kriegsende ein großer Teil der Diaspora um die Stadt Münster gehörte. Interessant ist sicher, daß dem Pastor schon vor dem Kriege ein Auto zur Verfügung stand, um die weiten Wege zu den Gemeindegliedern schaffen zu können.

Wie stark die Pastoren dieses Diasporabereichs mit ihren Gemeindegliedern zusarnmengewachsen waren, erhellt eine Erinnerung an Pastor Grefer, der längere Jahre in Hiltrup den Dienst versah. Als ein junger Theologe ihn in einem Gottesdienst vertreten hatte und anschließend Pastor Grefer davon unterrichtete, daß zwei junge Mäd- chen bei der Predigt geschlafen hätten, entschuldigte der Hiltruper Pastor diesen Fehler damit, daß beide Mädchen auf entlegenen Bauernhöfen frühmorgens vor dem Kirchgang schon tätig sein müßten und den langen Kirchweg zu Fuß zurückzulegen hätten. Pastor Grefers versöhnliche Schlußbemerkung lautete: Wenn sie nur den Segen mitbekommen haben.

Entstehung und Weg der evangelischen Gemeinde in Amelsbüren
Zum Zeitpunkt der Beendigung des 2. Weltkrieges (Mai 1945) lebte in der früheren politischen Gemeinde Amelsbüren nur ein Ehepaar evangelischer Konfession. Im Jahr 1946 begann der Zustrom von Deutschen aus den Ostgebieten, darunter eine größere Zahl, die der evangelischen Kirche angehörten.

Die eintreffenden Frauen, Männer und Kinder waren gezeichnet von den letzten Kriegsmonaten, von Vertreibung, Gefangenschaft und Flucht. Ohne jede Existenzgrundlage standen sie vor der Aufgabe, ihr Leben neu aufzubauen. Das Problem der bestehenden Notzustände wurde von den Kirchen erkannt, und sie beteiligten sich an der Aufgabe, der Verzweiflung zu begegnen und den Betroffenen mit dem Lebensnotwendigen zu helfen. Auf der örtlichen Ebene entstand eine Hilfsaktion, die von Pfarrer Waterkamp von der katholischen Kirchengemeinde und von Pfarrer Spieker aus der evangelischen Gemeinde unterstützt wurde.

Die ersten Gottesdienste
Der Zustrom aus den ostdeutschen Gebieten hielt während des Jahres 1946 im stärkeren Maße an. Die Gruppe evangelischer Gemeindeglieder nahm laufend zu und zählte am Jahresende rund 60 Seelen. Bei den evangelischen Christen wurde der Wunsch immer größer, eigene Gottesdienste einzurichten.

Nachdem die Besatzungsmacht über den eingesetzten Bürgermeister die Benutzungsgenehmigung ausge- sprochen hatte, hielt Pfarrer Spieker am 1. Advent des Jahres 1946 in der früheren "Badde-Schule" (heute Jugendheim) die erste Andacht. Aufgrund der zahlreichen Gottesdiensttei1nehmer wurde der Schulraum bald zu klein. Diese alte Schule wurde damals auch noch für schuliche Zwecke genutzt. Das Lehrerpult diente als Altar. Auch die Erwachsenen mußten mit den kleinen Bänken der ersten Schulklassen vorlieb nehmen, und dies war tatsächlich mit größten Schwierigkeiten verbunden.

Im Jahr 1948 wurde der evangelischen Gemeinde eine Schulklasse der Volksschule zur Benutzung für die Gottesdienste zur Verfügung gestellt. Die neue Helligkeit und Bequemlichkeit trugen zur Verschönerung der


Altar
Andachten bei. Gleichzeitig richtete Pfarrer Spieker ab 1946 für die in "Haus Kannen" lebenden Gemeindeglieder regelmäßig Gottesdienste ein. Durch das großzügige Angebot der katholischen Kirchengemeinde konnten ab 1950 besondere Anlässe wie Taufen und Hochzeiten in der Sankt Sebastian Kirche gefeiert werden. Die erste kirchliche Handlung war dann gleich gekennzeichnet durch ein besonderes Ereignis: nachdem bereits alle 12 Strophen des angesetzten Liedes gesungen waren, fehlten immer noch die Eltern mit dem Täufling und den Paten. Als die Erwarteten endlich - im Dauerlauf - eintrafen, erklang die 11. Strophe desselben Liedes bereits zum zweiten Male.

Die große Wohnungsnot und ihre Probleme
Die vielen Sorgen und Nöte der eintreffenden Menschen aus dem Osten wurden besonders deutlich und spürbar durch die Wohnungsnot, die durch den anhaltenden Zustrom immer größer wurde. Es darf nicht vergessen werden, dass es für beide Teile - für die eingewiesenen Heimatlosen wie für die aufnahmeverpflichteten Einheimischen - eine schwere Belastung war, die nur in gegenseitiger Rücksichtnahme zu meistern war.  Aufgrund der vorliegenden Wohnungsnot kam es deshalb im Jahr 1952 zur Gründung der Interessengemeinschaft der Siedler. In kürzester Zeit gab es 86 Bewerber, die alle intensiv und ernsthaft ihr Ziel - den Bau eines Eigenheims - anstrebten. Die notwendige Verbindung zur Gemeindevertretung Amelsbüren war vorhanden, da der Vorsitzende Walter Deichsel dem Gemeinderat angehörte.

Nach einer gewissen Anlaufzeit führten die intensiven Bemühungen zum Erfolg: Bauland wurde erschlossen und Bebauungspläne wurden aufgestellt, und auf dem Siedlungssektor ging es zügig voran. Bis 1970 entstanden mehrere Siedlungen: das Kappenberger Feld, die Friedlandstraße und die Siedlung Amelsbüren Süd-Ost.


Es ist besonders hervorzuheben, dass dieses nur möglich war, durch die vielen Eigenleistungen, welche die Siedler erbrachten.

Für den uneigennützigen Einsatz wurde dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft mit der Ernennung zum 'Siedlervater' Anerkennung ausgesprochen. Durch diese Besiedlung wurde die größte Wohnungsnot beseitigt, wobei Siedler beider Kirchengemeinden gleichermaßen zum Zuge kamen.

Schulische Probleme - Neuanfang
Die evangelischen Kinder fanden sich in dem bis zum Kriege konfessionell geschlossenen katholischen Münsterland in Schulen wieder, die überwiegend als konfessionell homogene Schulen geführt wurden. Die evangelischen Kinder nahmen in katholischen Schulen am Unterricht teil, sollten aber natürlich ihren eigenen Religionsunterricht haben. Mit der Durchführung wurde für Amelsbüren und Rinkerode im Jahr 1946 Herr Gerhard Hönow beauftragt.

Erwerb eines kirchlichen Baugrundstückes
Der Wunsch auf Errichtung eines kirchlichen Bauwerkes wurde unter den evangelischen Gemeindegliedern immer stärker. Im Oktober 1955 kam es zum Kauf eines Grundstücks im Zusammenhang des Siedlungsprojektes Friedensstraße (jetzt: Friedlandstraße), das sich aber wegen seiner Randlage und aus baurechtlichen Gründen als ungeeignet erwies und wieder veräußert wurde. Es hieß also, die Bemühungen um den Erwerb eines geeigneten Grundstücks fortzusetzen. Im dem Gespräch zwischen dem Presbyter Deichsel und Bauer Schulze Everding zeichnete sich die Möglichkeit ab, ein Grundstück an der Straße 'Nienkamp' zu erwerben. Die umgehend eingeleiteten Grundstücksverhandlungen wurden im Dezember 1959 erfolgreich abgeschlossen.

Grundsteinlegung und Richtfest
Auf die erfolgte Ausschreibung ging eine Anzahl von Bauangeboten ein, die sehr unterschiedliche Bauformen und Gestaltungen sowie sehr abweichende Baukosten aufwiesen. Der Architekt Oettinghaus in Bochum - ein Fachmann kirchlicher Bauten - erhielt vom Presbyterium den Auftrag. Die veranschlagten Baukosten betrugen rund 100 000,00 DM. Das Landeskirchenamt in Bielefeld stimmte dem Bauentwurf Oettinghaus' zu. Für die Durchführung der Bauarbeiten erhielt die Firma Nabbe in Hiltrup den Zuschlag, die dann im Mai 1963 die Bauarbeiten aufnahm und zügig durchführte.



Kirch- und Glockenweihe
Für die evangelische Gemeinde war der 7. Februar 1965 ein großer Festtag: am letzten Sonntag nach Epiphanias wurde das neu errichtete Gemeindezentrum eingeweiht.

Das neue Bauwerk, erstellt in münsterländischem Klinker, umfaßt insgesamt 1 900 Kubikmeter umbauten Raum. Der Turm mit einer Höhe von ca. 16 m dient als bauliche Achse für Gotteshaus, Gemeinderäume und Pfarrwohnung. 120 Sitzplätze im Schiff und 40 Plätze auf der Empore bietet der Gottesdienstraum, in dem Altar, Kanzel und Taufstein den Mittelpunkt unter dem Kreuz bilden. Die drei Glocken tragen die Namen: GLAUBE, HOFFNUNG, LIEBE und sind auf das Geläut der katholischen Sankt Sebastian Kirche abgestimmt.

Auf der rechten Seite des Hauptportals ruht in die Außenmauer eingelassen der Grundstein mit der Inschrift : "SOLI DEO GLORIA".